Küchenstudio Kern erhält Besuch der FDP-Fraktion

Nachdem die neueste Planung für das seit Jahren brachliegende Stoll-Gelände nun auf Wunsch des Investors ein Küchenfachmarktzentrum vorsieht, beschloss die FDP-Fraktion, dem Küchenstudio Kern am Taubenbaum einen Besuch abzustatten, um sich über die Situation auf dem Küchenmarkt zu informieren.

Begrüßt wurde die Delegation der Kurstadt-Liberalen von Harald Kern, der zusammen mit seinem Bruder den seit 1980 in Bad Nauheim ansässigen Familienbetrieb führt.

Die Mandatsträger wollten vom Fachmann wissen, wie die sehr kurzfristig eingebrachte Idee, ein Küchenfachmarktzentrum auf dem Stoll-Gelände, zu bewerten sei. Die Werner-Investorengruppe konnte entgegen der ursprünglichen Planung keinen Partner für die Realisierung eines Elektrofachmarktes finden. Für die neue Planung hätte man bereits einen Partner in Aussicht. Den Weg hierfür freimachen möchte die jüngst eingebrachte Magistratsvorlage. Doch ist das im Sinne unserer Stadt?

So seien solch große Fachmärkte (man plant 2.000m² – im Vergleich: Das Küchenstudio hat knapp 600m² Verkaufsfläche) regelmäßig zu beobachten, oft würden sie so schnell wieder verschwinden, wie sie entstehen würden. „Wir fürchten, dass man sich auf eine hohe Rendite durch die Entstehung von Bad Nauheim Süd verspricht“, erläutert Stadtverordnete Britta Weber die Befürchtung, dass es sich um keine nachhaltige Planung handle. „Wenn wir mittelfristig einen 2.000m² großen Leerstand produzieren, liegt das in der Verantwortung der Politik“, stellt Till Weber fest. „Dass diese Vorlage in so knapper Zeit behandelt wird, zeugt davon, wie unausgegoren das Konzept ist.“

Im Sinne liberaler Wirtschaftspolitik steht Konkurrenz und Wettbewerb natürlich außer Frage. Doch: Wie sieht die Verträglichkeit einer Ansiedlung eines so großen Küchenfachmarktzentrums aus Sicht des Bad Nauheimer Traditionsunternehmens aus? „Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, resümiert Harald Kern die Situation und zeigt den liberalen Politikern bei einem Rundgang das Angebot. Man gehe zwar von deutlichen Einbußen aus, fürchte aber nicht um die Existenz – eine Befürchtung, die von Seiten der Besucher geäußert wurde. Hierzu Fraktionsvorsitzender Benjamin Pizarro: „So sieht keine nachhaltige und sensible Wirtschaftspolitik aus. Das Stoll-Gelände ist seit Jahren ein Zankapfel, nun soll nach Wunsch des Investors eine neue Nutzung aushelfen. Doch zu welchem Preis?“ In der Tat sei es schlichtweg unnötig, das seit 37 Jahren in Bad Nauheim ansässige Unternehmen in die entsprechende Bedrängnis zu bringen. „Jemand, der in unserer Stadt Arbeitsplätze schafft, hier Steuern zahlt und allseits anerkannt ist, muss nicht ohne jede Vernunft einen Goliath zur Konkurrenz bekommen“, so Pizarro. Dabei gehe es nicht um Protektionismus, sondern um die Förderung bereits vorhandener Unternehmen vor Ort. Wie Ortsverbandsvorsitzender Dr. Thomas Horn anmerkt, habe es in der Nachbarstadt Friedberg in den letzten Monaten und Jahren gleich zwei Geschäftsschließungen im Küchenfachbereich gegeben. Der Markt um Bad Nauheim sei gesättigt – auch ohne das neue Fachmarktzentrum auf dem Stoll-Gelände.

Die Vertreterinnen und Vertreter dankten Herrn Kern für den lehrreichen Besuch und das Interesse daran, den Vertretern im Parlament eine fachlich fundierte Grundlage für ihre Arbeit zu bereiten.